Erkr./Symptome

Streichholzbeinchen

Mit dieser Problematik ist bis jetzt jeder in Berührung gekommen, der bewusst oder unbewusst mit Dendrobaten gezüchtet hat.
Streichholzbeinchen sind eine Fehlentwicklung bei Quappen, bei denen die Vorderbeine Missbildungen aufweisen.
Streichholzbeinchen sind auch unter dem Namen SLS (spindly leg syndrom, im Text unter SLS abgekürzt) bekannt. Es kann auch durchaus vorkommen, dass nur ein Bein sich falsch entwickelt, die Ärmchen unbeweglich/ steif sind oder Finger sich nicht richtig ausbilden.
Dass dies nicht nur ein Phänomen bei Terrarienhaltung ist, beweisen Landgänger im Habitat, welche ebenfalls mit Fehlbildungen an den Vorderbeinen aufgefunden wurden. Grundsätzlich ist die Quote an SLS befallenen Jungfröschen beeinflussbar durch den Halter/Züchter.
Auf was man dabei achten muss, wird auf dieser Seite erwähnt.
 
Quappe von R. fantastica (Das Bein ist steif und nach hinten gewinkelt, das 2te fehlt komplett)  


Fehlbildung bei R. fantastica Quappe  


Quappe von R. reticulata ( Vorderbeine nicht vorhanden)  


R. reticulata Quappe ohne Vorderbeine  


Quappe von D. auratus ( steife, abgewinkelte und dünn ausgebildete Vorderbeine)

 
D. auratus Quappe mit steifen fehlgebildeten Vorderbeinen  


Rechte Quappe mit SLS-Syndrom, links 2 Gesunde im Vergleich:

 
Rechts eine SLS-Quappe, 2 Gesunde links  
 
Ursachen für vermehrtes Auftreten von SLS:
 

  • Elterntiere befinden sich zu lange in der Legephase
  • Elterntiere werden mangelhaft ernährt
  • Elterntiere harmonieren nicht richtig miteinander
  • ein Elterntier weist Genschäden auf
  • Elterntiere leiden an Erkrankungen/Parasiten
  • Terrarium weist schlechte Hygiene auf
  • Wasserqualität für die Quappen nicht gut genug (Rückstände oder Zusätze im wasser)
  • Wasserwechselintervalle zu lang in kleinen Behältnissen
  • Bechervolumen nicht richtig gewählt
  • Behältermaterial gibt Weichmacher ab, nicht lebensmittelgeeignet
  • Aufzuchttemperatur zu hoch/niedrig
  • Futter der Quappen zu alt
  • Futter der Quappen vom Nährstoffgehalt nicht ausreichend
  • Oophagen werden nicht unter UV-Licht gepflegt

 
Dies sind die häufigsten Ursachen für Fehlbildungen an Quappen.
 
Für Uns stellt sich nun die Frage, wie Wir mit diesen Ursachen bei vermehrten Auftreten umgehen können.
Als allererstes gilt es die Zuchttiere in eine passende Zuchtverfassung zu bringen, dies erfolgt mit einer abwechslungsreichen und wertvollen Ernährung mit diversen Futterinsekten und Wiesenplankton. Sollten ihre Tiere sich schon seit längerer Zeit in einer Regenphase befinden, ist es durchaus möglich, dass sich ihre Tiere nur verausgabt haben. Führen sie demnach eine 2-3 monatige Trockenzeit durch oder trennen sie die Tiere in dieser Zeit.
Dass sich keine Quappen richtig entwickeln, kann auch am Terrariensetup liegen, wenn die falschen Materialien verwendet wurden. Vermeiden Sie daher bedenkliche Chemische Baustoffe und nehmen anstatt dessen lieber Naturmaterialien. Schauen sie darauf das Böden auch wieder abtrocken können und dass sich kein Stauwasser in ihren Becken sammelt. Staunässe führt zu Bakterien und erhöhte Sporen/Pilzbelastung, die die Kondition ihrer Tiere herabsetzt. Achten Sie ebenfalls darauf, dass die Lüftungen stehts frei bleiben um Stauluft zu vermeiden.
 
Nachdem Wir uns nun den Elterntieren gewidmet haben kommen wir zur Quappenselektion:
 
Wir können durch Selektion im Vorraus die Anzahl an kräftigen gesunden Tieren schon sehr gut positiv beeinflussen.
Will man Gelege entnehmen und künstlich zeitigen geht man wie folgt vor: Verpilzte Eier nicht entfernen, da gesunde Eier sich auch entwickeln wenn dieses im Terrarium passiert. Ballonquappen (durchsichtiger aufgeblähter Bauch) nicht aufziehen. Quappen die nicht schlüpfen wollen, nicht manuell aus den Eiern befreien. Sollten diese nicht schlüpfen, werden sie nicht aufgezogen!
Sollten Sie Gelege in den Terrarien belassen, setzen Sie mit Wasser gefüllte Schalen ins Terrarium und lassen Sie die Eltern die Arbeit der Selektion machen. Abgesetzte Quappen können Sie meiner Meinung nach bedenklos per Hand aufziehen.
 
Oben im Bild eine gesunde geschlüpfte Quappe  


Gesunde Quappen  
 
tinctorius mit 3 gesunden Quappen auf dem Rücken:

 
weiblicher tinctorius beim Quappentransport  


Zu den Quappengefäßen:
 
Verwenden Sie nach Möglichkeit nur geeignete Kunststoffgefäße aus dem Lebensmittelbereich oder Behältnisse aus Glas. Dies verhindert Schäden durch austretende Weichmacher. Sollte auf Schubladenkästen aus dem Baumarkt zurückgriffen werden, achten Sie darauf, dass es sich um harte Polycarbonat-Schübe handelt.
Das Volumen sollte je nach Froschart passend gewählt werden. Kleinere Behältnisse erfordern zwar etwas mehr Arbeit, jedoch entwicklen sich gerade Quappen von heikleren Arten darin besser als in Großen (z.B. E. mysteriosus). Gefäße von 100ml sind für unsere Zwecke durchaus ausreichend, größere Behältnisse bis 250ml sind auch sehr gut für größere Arten wie D. tinctorius oder P. terribilis geeignet. Ab 500ml kann auf ein Wechsel des Quappenwasser verzichtet werden. Bringen Sie 1-2 trockene Blätter in den Becher ein.
 
Einzelfächer Abmessungen 3cmx4cmx4cm
 
Sortimentskasten zur Quappenaufzucht  


Feinkostbecher 125ml
 
125ml Feinkostbecher als Quappenbehälter  


Sortimentskastenfächer aus Polycarbonat
 
Schübe aus einem Sortimentskasten als Quappenbecher  


Wasserqualität:
 
Verwenden Sie weiches Wasser mit einem leicht sauren PH-Wert von ca. 6,5. Dies erreicht man z.b. durch den Einsatz von Osmosewasser oder Regenwasser. Viele schwören auch auf Quappentee, Anleitungen für Quappentee findet man im Netz. Bei Osmosewasser müssen Sie sich keine Gedanken um platzende Quappen machen, das gehört zu den Märchengeschichten. Osmosewasser hat meist noch einen Restleitwert von 25-30 microsiemens. Ältere Quappengefäße besitzen noch Reste von Algen und Biofilm und spätestens mit dem Einstreuen des Quappenfutters ist es mehr als unbedenklich zu sehen. Ich züchte nur mit reinem Osmosewasser und habe noch keine negativen Auswirkungen auf Quappen beobachtet. Beim Einsatz von VE-Wasser würde ich aber zu einer leichten Aufhärtung raten, da dies auch dem Wasser im Habitat entspricht.
 
Wechselintervalle:
 
Bei allen Behältnissen rät sich ein teilweiser Wasserwechsel von 50%, bei dem auch Kot und Futtereste entfernt werden sollten. Als Wechselintervalle haben sich Zeiträume von 2-3 Tagen bei kleineren Behältnissen und 3-4 Tage bei größeren Behältnissen herausgestellt. Mit Quappentee werden diese Intervalle etwas verlängert. Ab 500ml Wasservolumen kann
allerdings vollständig auf diese Prozedur verzichtet werden.
 
Aufzuchttemperatur:
 
Beachten Sie bei der Aufzuchttemperatur, dass diese nicht über 25 Grad liegt und nicht unter 21Grad, dieses Temperaturfenster entspricht weitestgehend einer optimalen Aufzuchttemperatur . Höhere Temperaturen führen zu einer Beschleunigung der Metamorphose/Entwicklung und führen zu höheren Ausfallraten durch SLS. Dem kann man geringfügig entgegenwirken durch sparsamere Fütterung.  
 
Fütterung:
 
Quappen werden von mir mittels eines Salzstreuers, der mit gemahlenen Quappenfutter befüllt ist, gefüttert. Dazu streue ich einfach ein paar Körner auf die Wasseroberfläche. Alle 4-5 Tage gibt es eine Futterpause von 1-2 Tagen. Lebendfutter wie Mückenlarven, Flohkrebse, Glanzwürmer oder microwürmchen können ebenfalls angeboten werden, jedoch muss man danach das Wasser im Auge behalten, da es durch Lebendfutter schnell kippen kann. Wichtig scheint beim Quappenfutter der Anteil an Protein zu Faseranteil zu sein. Futtergranulate
aus der Aquaristik sind günstig und enthalten einen hohen Anteil an Rohfaser und Rohprotein und belasten das Wasser weniger als Futterflocken.
 
frisch gefütterte Quappen, kleine Mengen reichen aus

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